Neuer Name, neue Statuten, neuer Vorstand

Seit unserer Generalversammlung am 22. März in Salzburg haben wir nicht nur einen neuen Vereinsvorstand, sondern auch neue Statuten sowie sogar einen neuen Namen: Um der Bildung von Grundorganisationen Rechnung zu tragen, haben wir uns umbenannt in „Gesellschaft für dialektische Philosophie“. Ebendieser Entwicklung soll auch die vorgenommene Überarbeitung der Statuten dienen, zudem wurde dadurch ein klareres inhaltliches Profil als bisher geschaffen. Gänzlich überarbeitet bzw überhaupt erst neu hinzugefügt wurden die §0 (Selbstverständnis), §2 (Vereinszweck) und §13 (Grundorganisationen).

In den neuen Vereinsvorstand gewählt wurden:

Vorsitzender: Stefan Klingersberger, Salzburg
Stv. Vorsitzender: Andreas Hüllinghorst, Berlin
Stv. Vorsitzender: Georgios Kolias, Wien
Kassier: Peter Ostertag, Salzburg
Hannes Fellner, Wien
Kaan Kangal, Nanjing
Johannes Oehme, Berlin

Der neue Vorstand dankt den scheidenden Vorstandsmitgliedern, insbesondere aber Andreas Egger, der die bisherige Entwicklung der Gesellschaft entscheidend mitgeprägt hat.

Aufhebung #6 in Druck

Die sechste Ausgabe unserer Zeitschrift „Aufhebung“ (ISBN 978-3-9503428-5-7) ging heute in Druck und wird rechtzeitig zur vierten Salzburger Tagung für dialektische Philosophie in gedruckter Form vorliegen. Die Abstracts und das Vorwort finden sich hier.

INHALT DIESER AUSGABE

Vorwort

Dieter Kraft, Berlin: 
Hegels dialektische Philosophie der gesunden Menschenvernunft

Kaan Kangal, Nanjing: 
Dialektik, Heuristik und Wahrscheinlichkeit

Andreas Egger, Salzburg: 
An der Front des Weltexperiments. Grundzüge der Philosophie Ernst Blochs, Teil 2.

Andreas Hüllinghorst, Berlin: 
Definitiv unphilosophisch. Eine Rezension von Georg Fülberths Buch „Marxismus“ (Köln 2014).

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Bericht über das Hans-Heinz-Holz-Wochenende in Berlin

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Hermann Klenner bei seinem Vortrag über „Herr und Knecht bei Hans Heinz Holz“.

Aus Anlass des 170-jährigen Jubiläums der Niederschrift der Thesen zu Feuerbach und des 88. Geburtstags von Hans Heinz Holz fand am 01. März die 2. Hans-Heinz-Holz-Tagung im Marx-Engels-Zentrum Berlin statt, die von der Salzburger Gesellschaft für dialektische Philosophie mitveranstaltet wurde.

Einleitend diskutierte Andreas Hüllinghorst die Interpretationen der Feuerbachthesen von Bloch und Holz. Sind die Thesen Produkte weitreichender Überlegungen Marx’ über Hegels Philosophie, fasse Bloch das in den Thesen vorgestellte Verhältnis von Politik und Philosophie nicht eng genug. Marx formuliere hierin bereits eine Programmatik der Aufhebung und Verwirklichung der Philosophie. Hieran knüpft Holz an, der mittels der Kategorie gegenständlichen Tätigkeit, unvermittelte Praxis in selbstreflexive Praxis transformieren möchte, um so Theorie und Praxis in ein vermitteltes und nicht disparates Verhältnis zu bringen.

Georgios Kolias analysierte die Feuerbachthesen hinsichtlich der gegenständlichen Tätigkeit und seiner widerspiegelungstheoretischen Interpretation durch Holz. Holz habe das Verhältnis zwischen Tätigsein, Subjektkonstituierung und Wirklichkeitserfassung als wechselseitiges Gefüge aufgefasst und ausgearbeitet. Unklar sei jedoch, inwiefern das Widerspiegelungstheorem von festen Voraussetzungen des Subjekts ausgehe. Die Subjekt-Objekt-Konstituierung sei bereits gegenständliche Tätigkeit, also vorläufiges Produkt einer vorhergehenden Praxis in Wirklichkeit.

Hermann Klenner würdigte Holz’ Arbeiten zu Leibniz. Er sei der erste gewesen, der das Motiv der Herr-Knecht-Problematik bereits in Leibniz verankert und schließlich bei Hegel ausgearbeitet sah. Sieht Hegel in den Grundlinien der Philosophie des Rechts bereits die entstehende kapitalistische innergesellschaftliche Dynamik als ein Kampf von Privatinteressen, ist es Marx gewesen, der hieran anknüpfend und Hegel kritisierend die Bewegungsformen der bürgerlichen Klassengesellschaft ausarbeitete. Die Aufhebung dieses Antagonismus finde sich in utopischer Form (Bonum commune) bereits bei Leibniz, worauf Holz bereits in seiner Dissertation „Herr und Knecht bei Leibniz und Hegel“ hinwies.

Stefan Klingersberger stellte die Salzburger Gesellschaft für dialektische Philosophie vor. Trotz ihrer erst jungen Geschichte habe die Gesellschaft schon viel erreicht. Anknüpfend an Brechts Diktum der „Organisation der Dialektiker“ sei es der Gesellschaft gelungen einen Ort zur Vertiefung und Erweiterung der dialektischen Philosophie zu schaffen. Darüber hinaus liegen noch weitere Potentiale ungenutzt und werden in naher Zukunft, etwa durch die Gründung eines Berliner Standorts verwirklicht. Klingersberger rief zu weiterer Mitarbeit und Unterstützung der Gesellschaft auf, sodass dialektische Philosophie wieder eine ernstzunehmende Größe werde.

Am Sonntag trafen sich Weggefährten von und junge Interessierte an Hans Heinz Holz und diskutierten die weitere Pflege des philosophischen, ästhetischen und vor allem politischen Erbe von Holz. Neben größeren Publikationsprojekten, wie z.B. der Herausgabe der Gesammelten politischen Schriften, wurde die Inbetriebnahme einer Internetseite, die Gründung eines Freundeskreises und die Sammlung und Nutzung des politischen Vermächtnis zur weiteren Schulungsarbeit angestoßen. Zum 90. Geburtstag Holz’ im Jahre 2017 soll es darüber hinaus eine Großveranstaltung geben, die sich der weiteren Vertiefung und Auseinandersetzung des Holzschen Oeuvres widmet.

Im Anschluss vollzog sich die Gründung des Berliner Standorts der Salzburger Gesellschaft für dialektische Philosophie. Neben formellen Fragen, die auf der Mitgliedergeneralversammlung stauarisch diskutiert werden (Namensänderung, Voraussetzung zur Gründung weiterer Standorte, …) wurden konkrete Vorhaben und Ideen für das Jahr 2015 und darüber hinaus erörtert. Neben der Initiierung von Lesekreisen zu Klassikern dialektischer Philosophie, sollen Abendveranstaltungen, Diskussionsrunden zu Aufhebung, Workshops zu ausgewählten Themen und Vorlesungsreihen zur marxistischen Philosophie organisiert werden. Die Berliner Gruppe hat somit ihre Arbeit aufgenommen und wird sich mit Tatendrang der Verwirklichung der Vorhaben widmen.

Programm der Vierten Salzburger Tagung für dialektische Philosophie

Flyer 2015_Tagungsprogramm_RS_klein

 

Hier sind die Abstracts zu den einzelnen Vorträgen zu finden:

 

Georgios Kolias: Negation und Totalität

Georgios Kolias  (Wien) wird bei der Vierten Salzburger Tagung für dialektische Philosophie am 21. März 2015 vortragen. Unten findet sich sein Abstract.

Negation und Totalität – Die logische Bewegung und die Aufhebung der Negation in Hegels Begrifflogik

Die These dieses Vortrags ist, dass die dialektische Entwicklung in der Begriffslogik – also im dritten (bzw. zweiten) Teil der Hegelschen Wissenschaft der Logik – nicht dem in den vorausgehenden Teilen herrschenden Bewegungsmotiv der Negation der Negation entspricht. Dies ist in Zusammenhang mit der besonderen Bedeutung, die die Totalität in der Begriffslogik erhält, zu betrachten. Diese „Modifikation“, die gerade beim Höhepunkt der logischen Entwicklung eintritt, ist in Hinblick auf ihre Implikationen für unser Verständnis von Dialektik zu untersuchen, die auch für den dialektischen Materialismus von Relevanz sind.

Max Zirngast – Bewusstsein, Organisation, Revolution

Max Zirngast  (Wien) wird bei der Vierten Salzburger Tagung für dialektische Philosophie am 21. März 2015 vortragen. Unten findet sich sein Abstract.

Bewusstsein, Organisation, Revolution –Einige Anmerkungen zu Lukács

Lukács Geschichte und Klassenbewußtsein gilt als Gründungstext des sogenannten Westlichen Marxismus, der in der allgemeinen Wahrnehmung oft als Theorie ohne Praxis klassifiziert wird. Selbst wenn dieses Urteil so zuträfe, gilt dies keineswegs für Lukács Aufsatzsammlung. Die in der für Lukács theoretisch wie praktisch stürmischen ersten Hälfte der 1920er verfassten Schriften stellen nämlich den Versuch dar, dialektisch marxistische Theorie und politische Praxis auf den Begriff zu bringen. Anhand der Begriffe Bewußtsein, Organisation und Revolution versuche ich Lukács Beitrag, sowie seine große Bedeutung für heute zu entfalten.