Aufhebung #14 erschienen

Vorwort

Lieber Leserinnen und Leser,

das Jahr 2020 beschert uns gleich drei bedeutende Jubiläen. Am 27. August jährt
sich der Geburtstag Georg Wilhelm Friedrich Hegels zum 250. Mal. An Ehrerbietung und Gedenkveranstaltungen zu Ehren des schwäbischen Philosophen wird
es sicher nicht mangeln, es ist aber zu bezweifeln, ob die welthistorische Bedeutung seines Denkens richtig begriffen und einem breiteren Publikum angemessen
vermittelt wird. Gegen alle oberflächlichen, das Denken eher einschläfernden anstatt aufrüttelnden Dichter-und-Denker-Feierlichkeiten in Deutschland wird an die
Rolle von Hegels System zu erinnern sein, „worin zum erstenmal die ganze natürliche, geschichtliche und geistige Welt als ein Prozeß, d.h. als in steter Bewegung, Veränderung, Umbildung und Entwicklung begriffen, dargestellt und der
Versuch gemacht wurde, den innern Zusammenhang in dieser Bewegung und Entwicklung nachzuweisen.“
Für den, der dies schrieb (in Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie
zur Wissenschaft), wird es dagegen seitens öffentlicher Einrichtungen wohl kaum
eine Gedenkfeier geben. Zu radikal hat der „erste Marxist“ Friedrich Engels gemeinsam mit seinem besten Freund die Dialektik Hegels materialistisch gewendet.
Während im universitären Betrieb gerade der Philosoph Engels weniger Beachtung
findet, muss es unsere Aufgabe als Dialektiker sein, sein philosophisches Werk
nicht nur zu rezipieren, sondern auch lebendig zu halten. Der Workshop der Gesellschaft der dialektischen Philosophie zu Engels‘ Dialektik der Natur im Jahr
2018 war hierbei nur ein erster wichtiger Schritt, der sich mittlerweile in einer Arbeitsgruppe Naturdialektik verstetigt hat. Am 28. November 2020 hat Engels, der
zusammen mit Marx „bedeutendste Gelehrte und Lehrer des modernen Proletariats
in der ganzen zivilisierten Welt“, seinen 200. Geburtstag.
Diese kurz nach Engels‘ Tod formulierte Würdigung stammt von dem dritten
großen Jubilar – von Lenin. Vor 150 Jahren wurde am nach gregorianischem Kalender 22. April der große Revolutionär und Denker geboren, mit dessen politischen Wirken der dialektische Materialismus endgültig die welthistorische Bühne
betrat. Dialektisches Philosophieren kann unter den Vorzeichen dieses Jahres nur
heißen, eine inhaltlich begründete Traditionslinie Hegel-Engels-Lenin herzustelVorwort8 Vorwort
len. Eine solche Linie herausgestellt und weiterentwickelt zu haben, bleibt das
große Verdienst von Hans Heinz Holz. Verwiesen sei hier nur auf Weltentwurf und
Reflexion, worin er ausführt, dass die Hegelsche dialektische „Formulierung des
Gesamtzusammenhangs als Reflexionssystem […] dann materialistisch von Engels und Lenin pointiert“ erfasst wurde. Daher stellt die Gesellschaft für dialektische Philosophie ihre am 29. Februar stattfindende Hans-Heinz-Holz-Tagung
dieses Jahr zu Recht unter das Motto „150 Jahre Lenin“, um dieser Traditionslinie
und ihrer Rezeption in Holzens Denken nachzuspüren.
Das vorliegende Heft knüpft zunächst an eine vergangene Holz-Tagung an.
Mit Ungesellige Geselligkeit. Staat und Recht im Übergang von Hegel zu Marx –
gelesen mit Hans Heinz Holz legt Daniel Bratanovic eine überarbeitete Version
seines vortrefflichen Referats auf der Holz-Tagung 2018 vor. Mit Holz rekonstruiert er die Grundzüge der Hegelschen Rechtsphilosophie, die „Theorie der welthistorischen Epoche der Französischen Revolution“, und zeigt auf, wie Hegel in
Abgrenzung zu den Romantikern der historischen Rechtsschule und mithilfe seiner
Kritik der klassischen Metaphysik die Begriffe entwickelt, mit denen er u. a. die
bürgerliche Gesellschaft begrifflich scharf erfassen konnte. Dass Hegel hierbei jedoch die Idee des Staates versubjektivierte und damit das Verhältnis von Staat und
bürgerlicher Gesellschaft falsch auffasste, kann Bratanovic durch die Überleitung
zu Marxens Kritik an Hegels Rechtsphilosophie plausibel machen. Ein abschlie-
ßender Verweis auf Paschukanis gibt spannende Impulse für künftige Debatten.
In dem zweiten großen Aufsatz des Heftes widmet sich Mesut Bayraktar Marx‘
Gegenstandsbegriff in den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten. Er unternimmt den anregenden Versuch, die ontologischen Grundlinien in dem Frühwerk
freizulegen, und vertritt die These, dass Marx hier implizite Ansätze einer ontologischen Grundlegung der Dialektik liefert. Die Analyse nimmt ihren Anfang bei
Marxens Kritik der Hegelschen Staatsrechts von 1843 und führt dann in eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem „gegenständlichen Wesen“ in den Manuskripten. Vermittelt über eine Untersuchung der „Vergegenständlichung“ führt der
Weg zu dem Begriff des Gegenstands. Die in diesem Gang freigeschälten ontologischen Grundlinien bei Marx ermöglichen, so Bayraktar, nun eine historisch-gesellschaftliche Spezifikation. Dass diese sich in der Form des Privateigentums
zeigt, kann er zum Abschluss noch andeuten.
Mit drei Rezensionen konnten wir wieder aktuelle Publikationen aus der philosophischen Welt thematisieren. Martin Küpper bespricht das bei PapyRossa erschienene Bändchen Freiheit von Andreas Arndt und legt dar, wie der mittlerweile
emeritierte Professor in Anlehnung an Hegel und Marx einen systematischen Freiheitsbegriff entfaltet. Das Verständnis konkreter Freiheit ermögliche dabei die Vermeidung von Aporien eines individuell-liberalen Freiheitsbegriffs. Probleme sieht
Küpper bei Arndt u. a. in der zu starken Annäherung von Hegel und Marx und dermangelnden Berücksichtigung praktischer und theoretischer Fortschritte nach
Marx. Marc Püschel widmet sich Vittorio Hösles Kritik der verstehenden Vernunft.
Eine Grundlegung der Geisteswissenschaften. Das strukturell an Kants Kritik der
reinen Vernunft angelehnte Werk versucht, die Bedingungen der Möglichkeit von
intersubjektiv gültigem Verstehen zu klären. Püschel hebt die Bedeutung des Buches für die Hermeneutik hervor, äußert jedoch Zweifel daran, dass es für Hösles
Projekt eines neuen objektiven Idealismus fruchtbar sein könne. Um einen der berühmtesten Hermeneutiker geht es schließlich bei Hans-Joachim Petsche in seinen
Gedanken zu Andreas Arndt: Die Reformation der Revolution. Friedrich Schleiermacher in seiner Zeit. Arndt geht es vor allem um eine Neubewertung der Haltung Schleiermachers zur Französischen Revolution. Im Fokus stehen u. a. die
Auseinandersetzungen mit dem Freiheitsbegriff und der Kampf um demokratische
Strukturen in Wissenschaft und Religion. Vernachlässigt wird dabei jedoch der
Blick auf Schleiermachers Verständnis von Dialektik. Erfreulicherweise wirft Petsche in seiner ausführlichen Rezension über Arndts aktuelles Werk hinaus erhellende Schlaglichter auf Schleiermachers Wirken und seine „Dialektiken“.
Wir möchten schließlich unsere Leser/-innen auch in diesem Jahr dazu einladen, sich mit wissenschaftlichen Aufsätzen, Diskussionsbeiträgen oder Rezensionen an den künftigen Ausgaben der Aufhebung zu beteiligen. Willkommen sind
alle Arbeiten, die sich mit der kritischen Erschließung, Entwicklung und Vertiefung
sowie Anwendung und Umsetzung der dialektischen Philosophie in ihren verschiedenen Ausprägungen und ihrer Geschichte beschäftigen. Interessierte können ihre
Beiträge jederzeit an die Redaktion (redaktion@dialektische-philosophie.org) senden. Vergangene Nummern der Aufhebung können unter bestellung@dialektischephilosophie.org bestellt werden.
Die Redaktion im Januar 2020

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Hans-Heinz-Holz-Tagung 2020 – 150 Jahre Lenin

2020: 250 Jahre Hegel – 200 Jahre Engels – 150 Jahre Lenin

In diesem Geiste lädt die Gesellschaft für dialektische Philosophie zur Hans-Heinz-Holz-Tagung 2020 in Berlin mit Vorträgen von Michael Weingarten, Alfred J. Noll, , Rolf Jüngermann und der Gesellschaft für dialektische Philosophie Wien.

Programm

10: 30 Einlass

10:45 Begrüßung durch den Präsidenten der Gesellschaft für dialektische Philosophie Andreas Hüllinghorst

11:00 Michael Weingarten (https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Weingarten): Umkehren oder Rückkehren? Die Philosophie Hegels bei Marx, Lenin und Holz

12:00 Gesellschaft für dialektische Philosophie Wien: Commune bonum und Revolution. Das Verhältnis von Bildung und Fortschritt bei Leibniz und Lenin.

13:00 Mittagspause

14:00 Rolf Jüngermann (http://www.rolfjuengermann.de/): Hans Heinz Holz und der politische Leninismus heute

15:00 Alfred J. Noll (https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_J._Noll): Lenins Staat und der rechtsphilosophische Denkeinsatz von Hans Heinz Holz

16:00 Ausklang

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Aufhebung #13 erschienen

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Vorwort

Es sei nicht schwer zu sehen, so Hegel in der Vorrede zur Phänomenologie des Geistes, „dass unsere Zeit eine Zeit der Geburt und des Übergangs zu einer neuen Periode ist. Der Geist hat mit der bisherigen Welt seines Daseins und Vorstellens gebrochen und steht im Begriffe, es in die Vergangenheit hinab zu versenken, und in der Arbeit seiner Umgestaltung.“ (G. W. F. Hegel. 1986. Phänomenologie des Geistes. In: Werke. Band 3. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 18.)

Für die dialektische Philosophie der Gegenwart sind diese Worte brandaktuell. Die invariante Aufgabe der dialektischen Philosophie besteht in der Arbeit des Denkens an seinem eigenen Instrumentarium; an der Erarbeitung von Konzepten und Modellen, Systemen und Methoden, die mitunter die Geschichte des philosophischen Denkens bereitstellt und mit dessen Hilfe wir unsere Gegenwart erfassen.

Dialektische Philosophie ist eine Art Topos-Denken: ihr Proprium besteht darin, den ‚Welt-Ort‘ und die ‚Zeit-Stelle‘ (H. H. Holz) des Einzelnen mit Blick auf den Entwicklungszusammenhang eines übergreifenden Ganzen zu bestimmen. Sie bemüht sich, sich selbst zwischen ‚Nicht-Mehr‘ des Vergangenen und ‚Noch-Nicht‘ des Zukünftigen (E. Bloch) zu positionieren, um das Spätere in der Jetztzeit antizipieren zu können. Ihr Selbstbildnis in diesem Gesamtzusammenhang zu sichten und im Fluss historischer Entwicklung nachzuzeichnen, sind ihre Aufgaben. Sie konstituiert somit nicht nur die Bedingungen einer rationellen Orientierung im wissenschaftlichen Denken, sondern spezifiziert auch die begrifflich konkreten Voraussetzungen einer gesellschaftlich wirksamen und politisch zielgerichteten Praxis.

Eine der Methoden, das diesem Zweck entspricht, ist Polemik. Sie konstituiert Diskussionsforen, in denen perspektivische Modelle angeboten werden, deren Haltbarkeit im Fokus des Besonderen in einer übergreifenden Gesamtstruktur getestet wird. Eine perspektivische Vielfalt von konträren oder sogar kontradiktorischen Ansätzen zugunsten der Kongruenz wissenschaftlichen Denkens in ihrer Einheit herauszustellen, ist Sinn und Zweck der dialektischen Philosophie. Neue Fragen zu stellen, neue Probleme zu formulieren und neue Lösungen vorzuschlagen, sind die Tätigkeiten der Zeitschrift Aufhebung und der Gesellschaft für dialektische Philosophie. Wir ermutigen alle unsere LeserInnen, in unserer ‚Denkfabrik‘ mitzumachen, Beiträge zu leisten und an Diskussionen aktiv teilzunehmen.

Das vorliegende Heft eröffnet mit dem zweiten Teil von Ernst Richters Aufsatz zur marxistischen Geschichtsphilosophie. Richter entwirft eine relationale Geschichtsontologie, die die marxistische Kategorie der materiellen Produktionsverhältnisse ins Zentrum der Forschung rückt. Der Problemgegenstand sind die historischen Grundstrukturen der antagonistischen bzw. nicht-antagonistischen Gesellschaften und die ihnen immanenten Negations- und Aufhebungsmechanismen.

Daniel Hohnerlein setzt sein Projekt dialektischer Literaturhermeneutik fort und überprüft am Beispiel Paul Rillas die Frage nach dem Verstehen der Literatur. Der hermeneutische Akt des Verstehens wird in diesem Ansatz in einer Verdopplung des Verstehens des Literatur-Verstehens erweitert und die Grundkriterien literarischen Lesens hinterfragt. Hohnerlein geht davon aus, dass die Kriterien literarischer Hermeneutik explizit gemacht werden müssen, um überhaupt dem Autor, Text und Leser gerecht werden zu können. Er entwickelt somit ein selbstreflexives Problembewusstsein im literarischen Lesen, das nur dann sinnvoll möglich wird, wenn sich das Verstehen im Literatur-Verstehen auf sich selbst bezieht.

Mario Schäbels Paradigmenwechsel reloaded setzt sich mit den Ambivalenzen der Frankfurter Schule kritisch auseinander. Der Aufsatz stellt eine Varietät von Paradigmen heraus (Arbeits-, Produktions- oder Naturparadigmen), die den Charakter der internen Evolution der Kritischen Theorie bestimmen und zum Ausdruck bringen. Schäbel konzentriert sich wesentlich auf Jürgen Habermas’ und Axel Honneths Ablehnung der marxschen Kritik der politischen Ökonomie. Schäbels kritische Exposition des Kritikbegriffs dient dazu, Marx’ theoretischen Korpus der dialektischen Gesellschaftsauffassung wieder einzuverleiben und versucht somit eine ‚neuere‘ Marx-Lektüre für das kritische Denken der Gegenwart fruchtbar zu machen.

Das Heft enthält zwei Diskussionsbeiträge: Marc Püschels und Renate Wahsners Repliken auf Annette Schlemms pessimistisch gestimmte Geschichtsphilosophie. Püschel problematisiert die Geschichtsteleologie, die Schlemm Marx und Engels zuschreibt und die von ihr abgeleitete Schlussfolgerung, die dialektische Geschichtsphilosophie in Frage zu stellen. Wahsner argumentiert, dass Schlemms Ansatz dadurch gefährdet wird, dass sie ihre eigene Interpretation materialistischer Umstülpung Hegels in das Selbstverständnis von Marx und Engels zu projizieren scheint. Die Hoffnung auf eine dialektische Geschichtsphilosophie trägt, so Wahsner, wenn man sie als eine wissenschaftliche Theorie entwickelt, die von gesellschaftlichen Bewegungsgesetzen ausgeht, welche die Theorie auf die Probe stellt.

Der Band schließt mit zwei Rezensionen und einem Bericht. Jörg Zimmer geht ausführlich auf Andreas Domanns Studie Philosophie der Musik nach Karl Marx ein, greift Brechts Theater, Holz’ Ästhetik und Marx’ Konzept der gegenständlichen Tätigkeit auf, um mit Domann über Domann hinaus zu einem dialektischen MusikDenken zu gelangen. Mathias Schmidt rezensiert Didier Eribons Buch Gesellschaft als Urteil, in dem Eribon den Habitus des Arbeitermilieus nachgeht. Ironie und Parodie charakterisieren diese Rezension, da das besprochene Buch die marxistische Analyse der Klassengesellschaft durch ein Amalgam von Konstituierung des sozialen Selbst (Pierre Bourdieu) und Technologien des Selbst (Michel Foucault) zu ersetzen bemüht. Julia Mohrs Bericht fasst den Inhalt des Workshops Dialektik der Natur zusammen, der im Oktober 2018 in Berlin stattfand. Es sei daran erinnert, dass sich der Geburtstag von Friedrich Engels nächstes Jahr zum 200. Mal jährt. Zum Einreichen der Manuskripte sowie für Vorschläge, Anregung und Kritik ist die Redaktion unter redaktion@dialektische-philosophie.org erreichbar. Vergangene Nummer der Aufhebung können über bestellung@dialektische-philosophie.org bezogen werden.

Die Redaktion, Mai 2019

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Hans-Heinz-Holz-Tagung 2019 // Realismus als ästhetisches Prinzip

9. März 2019 

Jura Soyfer-Saal 

Universität Wien

Hofburg, Batthyanystiege (1. Stock)

1010 Wien

Programm

Zeit Aktivität
09:3009:45Begrüßungsworte: Melanie Malzahn, Dekanin der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien
09:4510:00Eröffnung: Andreas Hüllinghorst, Vorsitzender der Gesellschaft für Dialektische Philosophie
10:0010:45Streitgespräch „Grundprobleme der Ästhetik“: Thomas Metscher und Jörg Zimmer
10:4511:30Diskussion zu Streitgespräch
11:3012:00Pause
12:0012:30Dietmar Dath: Die Strahlenschar im Bild | Hans Heinz Holz als Ästhetiker, der sein Jahrhundert überwand
12:3013:00Diskussion
13:0013:15Pause
13:1514:00Anna Artaker: Dialektische Bilder und künstlerische Forschung
14:0014:45Doris Zeilinger: Realismus in einer unfertigen Welt. Zu Ernst Blochs Ästhetik des Vor-Scheins
14:4514:00Pause
15:1516:00Daniel Göcht: Grundlinien einer materialistischen Ästhetik. Lukácsʼ Die Eigenart des Ästhetischen mit Holzʼschen Korrekturen
16:0016:15Schlussworte: Andreas Hüllinghorst, Vorsitzender der Gesellschaft für Dialektische Philosophie
ab 17:00 Symposion

Abstracts

Dietmar Dath: Die Strahlenschar im Bild | Hans Heinz Holz als Ästhetiker, der sein Jahrhundert überwand

Es soll darum gehen, wie Holzens Fassung der Widerspiegelungsidee und seine daran auskristallisierte Ästhetik einerseits zutiefst geschichtsbewusst, andererseits tatsächlich tendenziell universal konstruiert ist – und darum, was man damit machen kann, also eine Art Gebrauchswertschau, die dann aufgefächert ist für Kunstschaffende, philosophisch Gelehrte und im Laienstand Kunstinteressierte. Entworfen und erprobt hat Holz seine Ästhetik ja a.) im Rückgriff auf die Antike, b.) in der historisch-materialistischen Draufsicht auf mehrere Epochen und c.) mit dem Mut zum konstruktiven Ausblick auf ein Denken über und mit Kunst, das weitaus reicher und entwicklungsfähiger ist als sehr viele kunstaffine Denkbauten des 20. Jhs, die oft am Ende von düsteren Sackgassen errichtet wurden, als Zwitterarchitekturen aus Museum und Mausoleum, deren Totenstarre niemand unbestechlicher diagnostiziert hat als eben Holz.

Anna Artaker: Dialektische Bilder und künstlerische Forschung

Das künstlerische Forschungsprojekt MEDIEN DER GESCHICHTE nähert sich dem dialektischem Bild im Zentrum von Walter Benjamins Philosophie der Geschichte mit den Mitteln der Kunst. Analog zu Hans Heinz Holz, der die Malerei Richard Paul Lohses im Sinne eines „Anschaulich-Werdens“ von Dialektik interpretiert, versucht das Forschungsprojekt den Begriff des dialektischen Bilds anhand künstlerischer Werkserien zu begreifen. Wie der Titel MEDIEN DER GESCHICHTE andeutet, wird dabei ‘das Medium’ anstelle des Bildes als Agens für das blitzartige Zusammentreten des Gewesenen mit dem Jetzt identifiziert, welches das dialektische Bild auszeichnet.

Doris Zeilinger: Realismus in einer unfertigen Welt. Zu Ernst Blochs Ästhetik des Vor-Scheins

Im Rahmen seiner Ontologie des Noch-Nicht-Seins stellt Bloch die These auf, dass Kunstwerke in der „unfertigen Welt“ aktualiter den „Vor-Schein“ eines künftigen Gelungenseins realisieren. Dieser „VorSchein“ in der Kunst verweist auf Blochs Konzept der konkreten Utopie: Die Genesis war nicht am Anfang, sondern wird am Ende sein, wenn die im Prozess anhängigen latenten Gehalte realisiert worden sein werden. Anhand von Landschaftsmalerei soll Blochs Skandalon einer Naturutopie thematisiert werden. Die Frage nach dem Realismus als ästhetischem Prinzip stellt sich mit Blochs Ästhetik auf sehr reizvolle Weise.

Daniel Göcht: Grundlinien einer materialistischen Ästhetik. Lukácsʼ Die Eigenart des Ästhetischen mit Holzʼschen Korrekturen

Georg Lukácsʼ Alterswerk Die Eigenart des Ästhetischen (1963) ist einer der bedeutendsten Entwürfe einer systematischen materialistischen Ästhetik. Dabei wird die bisherige Rezeption dieses Werkes dessen Bedeutung in keiner Weise gerecht. Lukács geht es in seiner Schrift um die Übertragung der Einsichten und Prinzipien des Marxismus auf die Probleme der Ästhetik. Damit ist ihm zufolge der zu beschreitende Weg vorgezeichnet durch die „Methode des dialektischen Materialismus“. Daraus folgt für Lukács die Notwendigkeit der Verankerung des ästhetischen Verhaltens im „Stoffwechsel der Menschen mit der Natur“, mithin der materiellen Produktion. So fundiert Lukács seine Theorie der ästhetischen Widerspiegelung bzw. Mimesis in der gesellschaftlichen Praxis. Das Ergebnis dieses Vorgehens ist eine Geschichtsphilosophie der Kunst, die beansprucht, die allgemeinen Prinzipien der Produktion von Kunstwerken zu bestimmen. Hierbei geht es wesentlich um Fragen der Konstituierung, nicht um normative Gesichtspunkte. Dass sich dabei Lukácsʼ künstlerische (insbesondere literarische) Vorlieben immer wieder bemerkbar machen, ist an sich nichts Ungewöhnliches und wird auch durch den systematischen Charakter der Eigenart des Ästhetischen immer wieder gebrochen. Allerdings müssen bei einem derart ambitionierten Unternehmen notwendigerweise ungelöste Probleme, Schwach- und Leerstellen auftauchen, vor allem, wenn es sich wie hier nur um den ersten Teil eines (geplanten) dreiteiligen Werks handelt. Hans Heinz Holz, der in seiner ästhetischen Theorie dem Werk von Lukács in vielfacher Hinsicht verpflichtet ist, hat auf einige dieser Punkte hingewiesen und Möglichkeiten der theoretischen Weiterentwicklung aufgezeigt. Eine produktive Auseinandersetzung mit Lukácsʼ Ästhetik kann hieran anschließen. So lässt sich zeigen, dass dieses (zugegeben etwas sperrige) Werk nach wie vor Aktualität beanspruchen kann und wesentlich mehr Beachtung verdient.

Kristin Bönicke: Zum Verhältnis von Form und Inhalt in der Ästhetik von Georg Lukács und Hans Heinz Holz

Das Diktum der Einheit von Form und Inhalt ist für die Ästhetiken von Georg Lukács und Hans Heinz Holz zentral. Der Vortrag möchte die These entwickeln, dass beide Theoretiker die Rolle von Form und Inhalt dennoch unterschiedlich gewichten – Lukács zugunsten des Inhalts, Holz zugunsten der Form – und einen Ausblick auf die sich daraus ergebenden Folgen geben.

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HANS HEINZ HOLZ: SPEKULATIVES DENKEN DVD

Vorlesungen zur Geschichte der Philosophie von Parmenides bis Marx

Regie: Stefan Wilke Herausgeber: ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe Peter Weibel

Einen philosophischen Gang der Reflexion von Parmenides bis Karl Marx bilden die hier dokumentierten letzten großen Vorlesungen von Hans Heinz Holz (1927–2011). Er hielt sie 2009 als Fellow des Weimarer Kollegs Friedrich Nietzsche an seinem Wohnort Sant’Abbondio in der Schweiz.
»Wir leben in Einzelheiten des alltäglichen Lebens. Wir müssen uns mit ihnen auseinandersetzen,
wir müssen mit ihnen fertig werden um uns im Leben zurechtzufinden und zu behaupten. Die Erforschung des Einzelnen ist der Anfang alles Wissens. Das Wissen des Ganzen, der universelle Geist, der philosophische Geist […] ist eine zweite Stufe unserer geistigen Entwicklung, unseres geistigen Tuns.« (Hans Heinz Holz)

„Man kann Hans Heinz Holz im allerbesten Sinne als Nachfolger von Gottfried Wilhelm Leibniz bezeichnen, nicht nur wegen seines enzyklopädischen Wissens, sondern vor allem, weil er uns die verschiedenen Perspektiven auf die Welt im Ganzen näher brachte. Seine Philosophie war und ist auch eine Philosophie der Toleranz.“ Rüdiger Schmidt-Grépály

https://absolutmedien.de/film/8028/HANS+HEINZ+HOLZ%3A+SPEKULATIVES+DENKEN

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Neujahrsgrüße // Hans-Heinz-Holz-Tagung 2019 „Realismus als ästhetisches Prinzip“ // 9. März 2019 // Wien

Liebe FreundInnen der dialektischen Philosophie,

auf das letzte Jahr können wir erfreut zurückblicken. Die Aufhebung #11 und #12 sind erschienen sowie der Protokollband der Hans-Heinz-Holz-Tagung 2017. Unsere alljährliche Hans-Heinz-Holz-Tagung wie unser Workshop zur Dialektik der Natur in Berlin wurden gut besucht und fanden positive Beachtung. Wir möchten uns nochmal bei unseren Helferinnen und Helfern sowie Referenten herzlich für die Unterstützung bedanken.

Auch im neuen Jahr haben wir wieder einiges vor. Unsere nächste Hans-Heinz-Holz-Tagung zu der wir Sie herzlich einladen, findet in diesem Jahr in Wien statt. Das Programm und weitere Informationen befinden sich am Ende der Mail. Zeitnah wird auch die nächste Ausgabe der Aufhebung mit zahlreichen spannenden Beiträgen erscheinen.

Der Vorstand der Gesellschaft für dialektische Philosophie wünscht Ihnen ein gesundes Jahr 2019!

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Hans-Heinz-Holz-Tagung 2019 // Realismus als ästhetisches Prinzip

Wann?

9. März 2019

Wo?

Jura Soyfer-Saal

Universität Wien

Hofburg, Batthyanystiege (1. Stock)

1010 Wien

https://www.google.com/maps?q=48.208081,16.365606

Programm

Zeit Aktivität
09:00 Doors
09:30 09:45 Begrüßungsworte: Melanie Malzahn, Dekanin der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien
09:45 10:00 Eröffnung: Andreas Hüllinghorst, Vorsitzender der Gesellschaft für Dialektische Philosophie
10:00 10:45 Streitgespräch „Grundprobleme der Ästhetik“: Thomas Metscher und Jörg Zimmer
10:45 11:30 Diskussion zu Streitgespräch
11:30 12:00 Pause
12:00 12:30 Dietmar Dath: Die Strahlenschar im Bild | Hans Heinz Holz als Ästhetiker, der sein Jahrhundert überwand
12:30 13:00 Diskussion
13:00 13:15 Pause
13:15 14:00 Anna Artaker: Das dialektische Bild bei Walter Benjamin
14:00 14:45 Doris Zeilinger: Realismus in einer unfertigen Welt. Zu Ernst Blochs Ästhetik des Vor-Scheins
14:45 15:00 Pause
15:15 16:00 Daniel Göcht: Grundlinien einer materialistischen Ästhetik. Lukácsʼ Die Eigenart des Ästhetischen mit Holzʼschen Korrekturen
16:00 16:45 Kristin Bönicke: Zum Verhältnis von Form und Inhalt in der Ästhetik von Georg Lukács und Hans Heinz Holz
16:45 17:00 Schlussworte: Andreas Hüllinghorst, Vorsitzender der Gesellschaft für Dialektische Philosophie
ab 17:00 Symposion
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Hans-Heinz-Holz-Tagung 2017 erschienen!

Vorwort

Am 25. Februar 2017 erinnerten in der Berliner Urania über 100 Besucher aus dem In- und Ausland an den am 11. Dezember 2011 verstorbenen Philosophen Hans Heinz Holz. Er wäre am 26. Februar 2017 90 Jahre alt geworden. Es luden die Fondazione centro di studi filosofici aus S. Abbondio (Schweiz), die Gesellschaft für dialektische Philosophie (Österreich und BRD) und der Vorstand der Deutschen Kommunistischen Partei, Essen (BRD), ein. Zu Holz’ Arbeits- und Denkstil gehörte die Auseinandersetzung als integraler Bestandteil. Es ging ihm darum, mit Andersdenkenden mögliche Perspektiven auf ein philosophisches Problem zu erfassen, mitzudenken und die dialektisch-materialistische Durchdringung desselben zu präzisieren. Aus diesem Grund hieß schon das Kolloquium zu seinem 80. Geburtstag „Lust auf Widerspruch“. Wohlweislich mit dem zweiten, an sich ersten Sinn, dass der Widerspruch für Holz die Grundform der Bewegung allen Seins und damit auch des Denkens ist. Die Ausrichter der Feierlichkeiten zum 90. Geburtstag schlossen sich dieser Auffassung des Holzschen Werks an. Das Motto der tagfüllenden Veranstaltung hieß entsprechend „Die raue See des Widerspruchs. Perspektiven auf das Werk von Hans Heinz Holz“. Es wurde auch eine dem Thema entsprechende Vortragsform gewählt: das Streitgespräch. Vier moderierte Dispute zu wichtigen Feldern des Holzschen Werks kamen zustande: zur Grundlage des Dialektischen Materialismus das Widerspiegelungstheorem und die Theorie des Gesamtzusammenhangs, zur Theorie der bildenden Kunst und zu Holz’ marxistisch-leninistischem Politikverständnis als Aufhebung und Verwirklichung der Philosophie. Im Nachhinein ist zu konstatieren: Es hätte hier und da mehr gestritten werden können. Es lief – außer im ersten und zweiten Streitgespräch – eher harmonisch und sich ergänzend ab. Dennoch ist ein tiefer Blick in das Holzsche Werk gelungen. Die Veranstalter freuten sich über das Mitwirken von Wissenschaftlern und Politikern, die sich diesem Abenteuer stellten. Glück hatten wir mit den Moderatoren Prof. Richard Sorg, Prof. Renate Wahsner und Jürgen Lloyd, die ein wichtiges Amt zu führen hatten. Und es war mit Alfred J. Noll ein wortgewandter Holz-Kenner und -Freund als Conferencier gewonnen worden, der durch den Tag führte. Mit seiner großzügigen Geldspende konnte der Tagungsband erstellt werden. Der Abend, geleitet von der jungen Wissenschaftlerin Kristin Bönicke, galt dem Wirken von Hans Heinz Holz. Isabel Monal, Philosophieprofessorin aus Havanna, sprach über die philosophische Situation auf Kuba und in Lateinamerika und wie nützlich einige von ihr ausgesuchte und ins Spanische übersetzte Schriften von Holz für die marxistische Debatte waren und sind. Gazi Ateş berichtete über Übertragungen Holzscher Arbeiten ins Türkische und Holz’ Reise in die Türkei. Prof. Hermann Klenner zeichnete in seiner Rede den Grundcharakter von Holz’ Persönlichkeit: Er war ein Enzyklopädist ersten Rangs, der auch die Provokation nicht scheute. Die vorliegenden Texte sind Abschriften der Tonaufnahmen. Die Teilnehmer bekamen Gelegenheit, die Abschriften zu überarbeiten. Vor allem lieferten sie Quellenangaben, die für das Verständnis ihres jeweiligen Beitrags sinnvoll sind. Am Ende einer jeden Gesprächsrunde diskutierte das Publikum mit; dessen Wortbeiträge sind ebenfalls dokumentiert worden. Neben der Entwicklung dialektischen Denkens besteht die Aufgabe unserer Gesellschaft darin, diese Denkart zu verbreiten. Dabei nimmt das Werk von Hans Heinz Holz eine besondere Rolle ein. Wir hoffen, mit diesem Tagungsband unseren Aufgaben gerecht zu werden.

Berlin, im Juni 2018 Vorstand der Gesellschaft für dialektische Philosophie

Inhaltsverzeichnis

Eröffnung
Alfred J. Noll
Revolutionäre Vernunft Hans Heinz Holz zum 90. Geburtstag


Streitgespräche
Der Logos des Spiegels
Bietet die Widerspiegelungstheorie eine weltspiegelnde Logik?
Moderation: Prof. Dr. Richard Sorg, Diskutanten: Andreas Hüllinghorst
und Prof. Dr. Hans-Joachim Petsche


Metaphysik als Wissenschaft des Gesamtzusammenhangs
Kann die Welt gedacht werden?
Moderation: Prof. Dr. Renate Wahsner, Diskutanten: Martin Küpper
und Dr. Jan Loheit


Der Realismus der Kunst
Was zeigen die bildenden Künste?
Diskutanten: Dr. Alfred N. Noll und Hans-Jörg Glattfelder 


Die Verwirklichung der Philosophie
Wie kann eine kommunistische Partei Schmelzpunkt
von Theorie und Praxis werden?
Moderation: Jürgen Lloyd, Diskutanten: Gazi Ateş,
Dr. Hannes Fellner, Patrik Köbele


Abendvorträge
Isabel Monal
Hans Heinz Holz, die kubanische Revolution
und Fidel Castro – Komplizen in der Unbeugsamkeit


Gazi Ateş
Untypisch im Sinne von außerordentlich 

Hermann Klenner
Holz – der größte Provokateur . . . . . . . .

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Aufhebung #12 erschienen!

Inhalt

Ernst Richter
Eine Rekonstruktion der marxistischen Geschichtsphilosophie (Teil 1) 

Annette Schlemm
Trägt oder trügt die Hoffnung aus einer
dialektischen Geschichtsphilosophie?

Daniel Hohnerlein
Zwei Versuche
Antworten auf Fragen von Lesern 

Diskussion

Renate Wahsner
Schwierigkeiten mit der Dialektik 

Rezensionen

Daniel Queiser
Geschichte des Materialismus (zu Alfred Schmidt)

Karl Melzer
Dialektisch Denken (zu Richard Sorg)

Rüdiger Dannemann
Dialektische Studien als selbstbewusster Versuch einer Vergewisserung
und Erneuerung des Marxismus (zu Thomas Metscher)

Helmuth Fellner
Die Sinnlichkeit der Vernunft (zu Hans Heinz Holz) 

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Wittgenstein & Marx International Conference University of Salento Lecce, 9-11 April 2019

Call for Papers

Wittgenstein and Marx

Fetishism and Alienation between Commodities and Words

Ludwig Wittgenstein, in the second phase of his thought, was strongly influenced by Marxism through frequent contact with personalities such as the economist Piero Sraffa and the academic Nicholas Bachtin. His philosophy turned into a critical and anthropological view of language and philosophy, that allowed different scholars to cross Wittgenstein’s thought with philosophers like B. Croce and A. Gramsci. In this perspective, the categories “fetishism” and “alienation”, that are pivotal within the philosophy of Karl Marx and also in the international debate, may have had also a significant echo in the thoughts of Wittgenstein.

Scholars have already suggested that there is a connection between Wittgenstein and Marx but, for the most part, they have taken the Germany Ideology and the Theses on Feuerbach as a point of departure. However, the relationship between Wittgenstein’s work and Marxist theory in Capital has also been discussed, although there are still few systematic and in-depth studies on this issue. In our conference, we will try to answer questions such as: is it possible to consider Wittgenstein’s critique of philosophy as a standpoint against the alienation produced by our own words? Can we understand Wittgenstein’s critique of language through Marx’s analysis of commodity and fetishism? We aim to examine more generally, on the methodological basis of the historical-critical analysis of their works, the thought of both philosophers, detecting consonances and dissonances, in order to clarify and develop their philosophy. From this background, proposals on the following subjects will be considered and their submission is strongly encouraged:

  • a. All those proposals that will focus on the (inter-)relationship of the concepts fetishism/alienation and commodity/word;
  • b. Proposals able to highlight aspects of both philosophers or to establish a fruitful dialogue and comparison between their theories;
  • c. Papers that trace connections with other thinkers or scholars (for instance: Sraffa, Gramsci, Croce, Piccoli, etc.) who have directly or indirectly influenced their thought;
  • d. Proposals on international scholars of Wittgenstein and Marx that already stressed the relationship between both thinkers (for instance: F. Rossi-Landi).
  • e. Proposals on the relationship between Marxist Philosophers (like Frankfurt School, French Theory, etc.) and Wittgenstein’s philosophy. 

Interested scholars are invited to submit a proposal by 30 November 2018 to fabio.sulpizio@unisalento.it or to wemlecce2019@gmail.com.The abstract must outline the main points of the talk and should not exceed 500 words. The proposals may be written in Italian, English or German and should be anonymous and prepared for blind review. A separate short bibliography is also needed. For each talk, there will be time for a 20-minute presentation, with about another 10 minutes designated for discussion. A selection of papers will be published.

https://wemlecce2019.wixsite.com/wm2019
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Die Gesellschaft für dialektische Philosophie trauert um Stefan Stein

Wir bedauern mitteilen zu müssen, dass unser Mitglied Stefan Stein gestorben ist. Er war seit geraumer Zeit fester Bestandteil der Gesellschaft für dialektische Philosophie und aktives Mitglied unserer Grundorganisation in Berlin.

Stefan nahm rege an inhaltlichen Debatten teil. Aufmerksam, wohlüberlegt und besonnen waren seine Äußerungen. Aber auch an den Planungen für unsere nächsten Vorhaben beteiligte er sich und half, wo er konnte. Für die Zukunft wollte er sich weiter in die Gesellschaft für dialektische Philosophie einbringen, nun wird uns seine Präsenz fehlen. Die Erinnerung an ihn werden wir bewahren.

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