Krenn: Abstract

Die „Frage nach dem Menschen“ – Hans Heinz Holz‘ Lektüre von Plessner auf der Grundlage einer materialistischen Anthropologie

Von Martin Krenn, Wien.

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Ist die generelle Programmatik einer materialistischen Anthropologie darauf gerichtet, Schelers Bestimmung des Menschen als „animal metaphysicum“ zu überwinden, ohne seine (in Heideggerschem Sprachgebrauch) fundamentalontologischen Überlegungen gänzlich zu verwerfen, so vermag insbesondere die Lektüre von Helmuth Plessners Schriften durch Hans Heinz Holz nähere Aufschlüsse über Grenzen, Leistungen und mögliche Begründungsszenarien der „Frage nach dem Menschen“ zu geben.

Plessners Verortung einer philosophischen Anthropologie, die dem cartesianischen Dualismus entsagt und hierzu die Doppelaspektivität menschlichen Daseins aus einer einheitlichen Grundposition begreifen will, vollzieht bereits den Schritt hin zu einer materialistischen Position. Menschliche Existenz wird von Plessner aus einer ontologischen Stellung begriffen, die abseits der Dichotomie von Naturalismus auf der einen und Idealismus auf der anderen Seite zu lokalisieren ist. Der Sinneserfahrung und der sinnlichen Rezeptivität kommt hierbei die genuine „Funktion“ zu, konstitutive Prinzipien der gegenständlichen Welt aufzuzeigen und eine „Anthropologie der Sinne“, so der Titel einer späten Abhandlung Plessners, zu entwickeln, der bereits in fundamentaler Hinsicht ein Weltgedanken inhärent ist. Plessner gelangt damit zur Grundfrage einer materialistisch orientierten Anthropologie, der es immer um die Klärung dessen gehen muss, sinnlich-gegenständliche Elemente menschlichen Erkennens und menschlicher Erkenntnis von deren ideeller Repräsentation sauber zu trennen und gleichzeitig als Momente eines einheitlichen Prozesses zu denken.

Holz knüpft an diesem Punkt inhaltlich an Plessner an und erweitert den Begriff einer materialistischen Anthropologie um die Notwendigkeit ihrer dialektisch-ontologischen Fundierung: „Eine Anthropologie, die nicht von der Anmaßung ausgeht, die Welt vom Menschen her zu konstruieren, sondern sich bewusst bleibt, dass der Mensch ein Moment im Ganzen der ihn umfassenden Welt ist, wird von der Besonderheit der Stellung des Menschen in der Welt und folglich vom Verhältnis des Menschen zur Welt auszugehen haben.“ (Holz: Mensch – Natur, S. 141)

Im Rahmen des Tagungsbeitrages soll nun ausgearbeitet werden, wie Holz die Plessnerschen Überlegungen produktiv aufgreift und in der Folge in sein Konzept eines Mensch-Welt-Modells im Ganzen einpasst. Auf dieser Grundlage können schließlich zentrale Problemfelder der anthropologischen Forschung – etwa das Leib-„Seele“- bzw. Sein-Bewusstsein-Problem – auf dialektischer Grundlage reformuliert werden.