Rehm: Abstract

Dialektik im Stillstand – oder: Jetztzeit im dialektischen Bild als Moment des Erwachens aus dem kollektiven Traumbewusstsein einer bürgerlichen Gesellschaft

Von Rafael Rehm, Salzburg.

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„Auf einen Begriff einer Gegenwart, die nicht Übergang ist, sondern in der Zeit einsteht und zum Stillstand gekommen ist, kann der historische Materialist nicht verzichten.
Wo das Denken einer von Spannungen gesättigten Konstellationen plötzlich einhält, da erteilt es derselben einen Chock, durch den es sich als Monade kristallisiert.“ (GS I/2, 702)

An dieser Stelle soll eine kleine Einführung in das Geschichtsverständnis von Walter Benjamin gegeben werden, welches an ein in gewisser Weise konträres Verständnis zur Hegelschen Dialektik gebunden ist. Hegel und dessen Auffassung der Geschichte als eines kontinuierlichen Prozesses versteht aus aristotelischer Sicht das Allgemeine in der Geschichte immer nur verwirklicht durch das Besondere, andererseits, aus platonischer Sicht, ist dieses oder jenes Besondere bloß verwirklicht, indem es das Allgemeine als solches verwirklicht. In dieser Dialektik ist das Besondere aufgehoben im Allgemeinen und strebt seinem Telos, dem
Ende der Geschichte, mittels des Vernunftgeistes kontinuierlich entgegen. Anders hingegen versteht sich das Benjaminsche Konzept einer Dialektik im Stillstand. Sie verortet das Moment einer Versöhnung von Besonderem und Allgemeinem außerhalb ihrer eigenen Geschichtlichkeit als eine blitzhafte Erfahrung, in welcher sich die Totalität eines Gesamtsinns von Geschichte im dialektischen Bild ausdrückt. Geschichte kennt nach Benjamin kein gutes Ende in der Zukunft, sondern nur einen Abbruch der Geschichte in der
Jetztzeit, welcher die Bedingung der Möglichkeit einer Verwirklichung der klassenlosen Gesellschaft bildet.

Anhand einiger Schlüsselstellen im Benjaminschen Gesamtwerk und einem gezielten Blick in einige Bemerkungen von Hans Heinz Holz soll der Frage auf den Grund gegangen werden, wie sich das Benjaminsche Verständnis der Geschichte und somit auch der Dialektik darstellt und wie es sich zum Hegelschen verhält.