22./23. November: Thomas Metscher und Werner Seppmann in Salzburg

 

Der marxistische Philosoph Prof. Dr. Thomas Metscher und der marxistische Soziologe Dr. Werner Seppmann zu Gast in Salzburg.

 

 

 

 

 

 

Die Salzburger Gesellschaft für Dialektische Philosophie, die Partei der Arbeit (PdA) Salzburg, die Kommunistische Judend Österreich (KJÖ) Salzburg und der Kommunistische StudentInnenverband (KSV) Salzburg laden zu einem Abend mit Prof. Dr. Thomas Metscher und Dr. Werner Seppmann ein.


Thomas Metscher: Pathische Gesellschaft
Werner Seppmann: Risikokapitalismus
Fr, 22. November, 18:00

Universität Salzburg
HS382, GesWi
Rudolfskai 42, Salzburg

Veranstaltung im Facebook


Siehe auch: Metscher/Seppmann: Seminar zur Ästhetik


Pathische Gesellschaft

Kein Weg führt an der Erkenntnis vorbei, daß der Vorgang der Integration,die Konstitution scheinbar gewaltfreier Herrschaft im späten Imperialismus ein in Wahrheit höchst gewalttätiger Prozeß ist, auch dort, wo die Schmerzen nichtphysisch erfahren werden. Es ist ein Vorgang der Deformation, der Zurichtung der Menschen als Ganzes: physisch, psychisch, geistig, ein Vorgang der Desubjektivierung, an dessen Ende der Mensch mit zerstörter Leiblichkeit, der Mensch ohneErinnerung, Seele und Vernunft steht (die Literatur hat ihn in ihren Angstträumenvorausgesehen) – das exakte Gegenteil dessen, was der Begriff der autonomen Person einmal meinte: das sich selbst bestimmende, rational über sich verfügende Subjekt.

Der Zurichtung der Bedürfnisse, Desubjektivierung und Deformation entspricht die Pathologisierung der Massenpsyche, als Quellgrund von Kriminalität, Aggression, Gewalt, Rassismus, Sexismus und faschistoiden Dipositionen jeder Spielart. In allen diesen Formen vollzieht der Imperialismus die Zerstörung des Menschen: seine Verwandlung in die Käfergestalt des Konsumenten, die Lemurengestalt des Untertanen, die gnadenlose Annihilation derer, die, aus welchen Gründen immer, aus dem Kreislauf seiner Reproduktion herausfallen. Er ist bis auf die Knochen geprägt von der völligen Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal des einzelnen. Eine Gesellschaft, die solche Zustände hervorbringt, und zwar notwendig und massenhaft hervorbringt, kann nicht anders als eine pathische Gesellschaft beschrieben werden: als faulend und krank. Dies ist der Fall in einer Gesellschaft, in der Herrschaft, Profit und Besitz die höchsten Werte sind, die »Plusmacherei« der kategorische Imperativ praktischen Handelns ist, die Allianz von Kapital und politischer Macht die Weltherrschaft erobert. Genau dies aber ist das Daseinsprinzip des entwickelten Imperialismus.

Vom Autor zu diesem Thema erschienen: Imperialismus und Kultur, junge Welt, 20.05.2009


Risikokapitalismus

Auch in den kapitalistischen Hauptländern sind in den letzten beiden Jahrzehnten Widerspruchsformen ausgebrochen, die schon als überwunden galten. Die Kluft zwischen arm und reich ist größer, geworden, die Lebensverhältnisse sind unsicherer und unkalkulierbar geworden. Für viele haben die Zukunftsaussichten sich verdüstert.

Mit großer Geschwindigkeit ist ein elementarer Klassengegensatz wieder sichtbar geworden: Die Bededürftigkeitszonen breiteten sich aus und der Anteil der Lohnabhängigen am Sozialprodukt ist systematisch abgesengt worden.

Warum aber hält sich der Widerstand in Grenzen, lassen die Lohnabhängigen sich die eklatanten Zumutungen gefallen?

Soeben ist im LAIKA-Verlag Hamburg zum Thema das Buch “Ausgrenzung und Herrschaft. Prekarisierung als Klassenfrage” erschienen.


Thomas Metscher (geb. 1934) studierte Anglistik, Philosophie und Germanistik in Berlin (FU), München, Bristol und Heidelberg. Promotion über Sean O’Casey 1966. 1961-71 Dozent für neuere deutsche Literatur an der Queen’s University of Belfast, Irland. 1971-99 Professor für Literaturwissenschaft und Ästhetik an der Universität Bremen. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte und Theorie der Literatur, Ästhetik und Kulturtheorie. Gegenwärtige Forschungsgebiete: philosophische Grundlagen ästhetischer Theorie, Literaturanalyse, Theorie des Bewusstseins, Fundierungsprobleme marxistischer Theorie.
Wichtigste Veröffentlichungen: Kunst und sozialer Prozess (1977), Kunst, Kultur, Humanität, 2 Bde (1982/1984), Herausforderung unserer Zeit. Zu Philosophie und Literatur der Gegenwart (1989), Pariser Meditationen. Zu einer Ästhetik der Befreiung (1992), Shakespeares Spiegel. Geschichte und literarische Idee, 2 Bde (1995/1998), Welttheater und Geschichtsprozess. Zu Goethes ‚Faust‘ (2003), Imperialismus und Moderne (2009), Logos und Wirklichkeit. Ein Beitrag zu einer Theorie des gesellschaftlichen Bewusstseins (2010), Kunst. Ein geschichtlicher Entwurf (2013), Ästhetik, Kunst und Kunstprozess Theoretische Studien (2013).

Werner Seppmann (geb. 1950) hat nach Berufstätigkeit und »zweitem Bildungsweg« Sozialwissenschaften und Philosophie studiert. Langjährige Zusammenarbeit mit Leo Kofler. Ehemaliges Vorstandsmitglied der Marx-Engels-Stiftung. Ehemaliger Mitherausgeber der Marxistischen Blätter. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Sozialstrukturanalyse, Marxismusforschung, Dialektischen Philosophie, Ideologietheorie, Kritischen Gesellschaftstheorie, Klassenanalyse und Kultursoziologie.
Wichtigste Veröffentlichungen: Struktur und Subjekt (1991), Subjekt und System (1993), Dialektik der Entzivilisierung (1995), Das Ende der Gesellschaftskritik? (2000), Gescheiterte Moderne? (2002), Die Aktualität der Kapitalismuskritik (2002), Ausgrenzung und Ausbeutung (2004), Krise ohne Widerstand? (2010), Die verleugnete Klasse – Arbeiterklasse heute (2011), Risiko-Kapitalismus : Krisenprozesse, Widerspruchserfahrungen und Widerstandsperspektiven (2011), Subjekt und System – Der lange Schatten des Objektivismus (2011), Dialektik der Entzivilisierung. Krise, Irrationalismus und Gewalt (2011).