Rehm: Abstract

Negative Dialektik versus Dialektik im Stillstand

Eine Reflexion über die Dialektik der Geschichte im Lichte der Kritischen Theorie anhand der (geschichts)philosophischen Konzepte von Theodor W. Adorno und Walter Benjamin. Nicht so ist es, daß das Vergangene sein Licht auf das Gegenwärtige oder das Gegenwärtige sein Licht auf das Vergangene wirft, sondern Bild ist dasjenige, worin das Gewesene mit dem Jetzt blitzhaft zu einer Konstellation zusammentritt. Mit anderen Worten: Bild ist Dialektik im Stillstand. Denn während die Beziehung der Gegenwart zur Vergangenheit eine rein zeitliche, kontinuierliche ist, ist die des Gewesenen zu Jetzt dialektisch: ist nicht Verlauf sondern Bild, sprunghaft.“ (Walter Benjamin, Passagen-Werk, GS V/2, 576f.)

Es handelt sich um den Entwurf einer Philosophie, die nicht den Begriff der Identität von Sein und Denken voraussetzt und auch nicht in ihm terminiert, sondern die gerade das Gegenteil, also das Auseinanderweisen von Begriff und Sache, von Subjekt und Objekt, und ihre Unversöhntheit artikulieren will.“(Theodor W. Adorno, Vorlesung über Negative Dialektik. Fragmente zur Vorlesung 1965/66, 15.)

Im Ramen dieses Vortrags soll der Frage nach der Relevanz einer Kritik an der Hegeslchen Dialektik durch die Verteter der Kritischen Theorie nachgegangen werden. Hierfür werden zwei divergierende Konzepte gegenüberstellt. Zum einen die negative Dialektik von Theodor W. Adorno und zum anderen die Dialektik im Stillstand von Walter Benjamin. Zu erörtern ist,worin denn diese Divergenz besteht.

Nach Walter Benjamin substistiert das dialektische Bild als stillgelegter Denkausschnitt, in dem sich ein Sinn für die Geschichte kommunizierbar machen kann. Die Bedingung der Möglichkeit einer Erkenntnis in der Gegenwart von dem, was die Gegenwart als solche sein könnte, ist der Abbruch der linearen Zeit als koninuierliche Bewegung der Dialektik. Nach Benjamin bietet die monadologische Strukur des dialektischen Bildes dem historischen Materialisten genau diese Bedingung der Möglichkeit: „In dieser Struktur erkennt er das Zeichen einer messianischen Stilstellung des Geschehens, anders gesagt, einer revolutinären Chance im Kampfe für die unterdrücke Vergangenheit.“(Über den Begriff der Geschichte, GS I/2, 703.

Nach Adorno bildet die Dialektik der Posivität, die der Negation der Negation das Moment der höheren Affirmativät attestiert und somit Identiät des allgemeinen Begriffs mit dem Besonderen geltend macht, das Selbstbewusstsein des objektiven Verblendungszusammenhangs. Jeglicher Zugriff des Begrifflichen auf die Sphäre des Nicht-Begrifflichen gilt Adorno als gewaltsamer Eingriff. Dialektik als Inbegriff des negativen Wissens rekkuriert auf das Nichtidentische als deren absolute Negativität, die das Besondere durch alle Stufen überschreitbarer Totaliät nur zum Preis der Vernichtung der dem Besonderen zugrunde liegenden Individualität synthetisiert. In der Erfahrung der Negativität des Nicht-Identischen verflüchtigt sich der Anspruch der Metaphysik als Wissenschaft. Was bleibt, ist die metaphysische Erfahrung und mit ihr die Erkenntnis: „Kein Licht ist auf den Menschen und Dingen, in dem nicht Transzendenz widerscheine.“(Negative Dialektik, GS VI 396f.)

Kann eine marxistische Gesellschaftsanalyse im Sinne eines wissenschaftlichen Solzialismus gegenwärtig von den Ansätzen der kritischen Theorie profitieren oder erweisen sich diese Konzepte als unbrauchbar? Beziehungsweise, ist eine Dialektik im Sinne der vorgestellten Konzepte noch in der Lage eine produktive Gesellschaftskritik einzulösen, welche sich dadurch auszeichnet, dass diese in der Lage ist, das Moment des gesellschaftlichen Gesamtzusammenhangs emanzipatorisch zu durchbrechen?