Naturphilosophie

Gottfried Schweiger (Salzburg): Dialektische Naturphilosophie – Von Hegel lernen.
Die heutige Lage der Naturphilosophie im Allgemeinen und der dialektischen Naturphilosophie im Besonderen kann als prekär bezeichnet werden. Sie droht durch die Naturwissenschaften aufgerieben und als relevante akademische Disziplin obsolet zu werden. Die Entwicklungsgeschichte der dialektischen Naturphilosophie seit Hegel kann nun als ein Ringen um dieses Verhältnis von philosophischer und naturwissenschaftlicher Erkenntnis und Methode rekonstruiert werden. Aus dieser Perspektive ist dialektische Naturphilosophie in den Horizont aller naturphilosophischen Theorie gestellt. Dialektische Naturphilosophie – besser: Naturphilosophien – gibt also eine besondere, auf dem jeweiligen Stand der philosophischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung stehende, Antwort auf die Herausforderung durch die Naturwissenschaften als Maßstab der Naturerkenntnis. Ziel des Vortrags ist es daher auch die Lösungswege exemplarischer Modelle und Theorien von dialektischer Naturphilosophie vorzustellen und zu kritisieren. Es sind dies die Hegelsche Variante einer absoluten, aber in sich gebrochenen Naturphilosophie und die Engelssche Variante einer empirisch orientierten Naturphilosophie. Im Anschluss an diese beiden historischen aber für sich jeweils äußerst wirkmächtigen Modelle, wird diskutiert, ob und inwieweit sie heute anschlussfähig und entwicklungsfähig sind oder als überholt angesehen werden können. Dabei zeigt sich, dass dialektische Naturphilosophie nur dann heute als philosophische Disziplin Geltung besitzen kann, wenn sie ihre Aufgaben, Methoden und Ziele neu definiert, ohne sich auf eine der schlechten Alternativen von Gegnerschaft oder Auslieferung an die Naturwissenschaften einzulassen.