Thomas Metscher

Der Marxismus als Theorie des Gesamtzusammenhangs – Versuch einer kategorialen Konkretion

Der Marxismus im hier entwickelten Verständnis ist eine philosophisch begründete Form kohärenten begrifflichen Wissens, die auf ein perspektivisches Ganzes der Welterkenntnis zielt. Sein ultimatives Ziel freilich ist nicht die Erkenntnis, sondern die Veränderung der Welt; Veränderung zum Zweck der Errichtung einer menschenwürdigen Gesellschaft. ‚Philosophisch begründet‘ ist dieses Denken, weil es seine Voraussetzungen reflektiert, weil es methodisch verfährt, weil seine Argumente ‚aus Gründen‘ erfolgen. Die Gründe dieses Denkens sind empirisch überprüfte und überprüfbare Prinzipien. Weltanschauung ist der Marxismus, insofern er eine Sicht auf Welt entwirft, die diese in Bezug auf den Menschen im ganzen erfaßt – als Theorie des Gesamtzusammenhangs.

Diese Sicht des Marxismus schließt an das Denken von Hans Heinz Holz an, der wie kein Zweiter seiner Generation den Begriff des Marxismus als philosophische Theorie des Gesamtzusammenhangs ausgearbeitet hat. „Die Konstruktion des Gesamtzusammenhangs“ ist ihm „das eigentliche Feld der theoretischen Philosophie, ohne den sie ihre anderen Leistungen nicht begründen, nicht in einer ‚wissenschaftlichen Weltanschauung‘ fundieren könnte“.

Der folgende Beitrag enthält neben der Klärung dieses Sachverhalts den Versuch einer kategorialen Konkretion. Diese ist notwendig, weil der Begriff des Gesamtzusammenhangs im Holzschen Denken, seiner Schlüsselstellung ungeachtet, auf der Ebene einer hohen Abstraktion verbleibt, seine Bestimmung in ihm also keineswegs erschöpft ist. Mein Vorschlag lautet, zwischen fünf kategorialen Ebenen des Gesamtzusammenhangs zu unterscheiden: 1. Alltag, 2. Gesellschaft\gesellschaftliche Formation, 3. 4. menschliche Welt und Natur, 5. Wirklichkeit als das ‚Seiende im Ganzen‘. Ihnen zugeordnet sind erweiternde Überlegungen zur Genesis elementaren Weltwissens, zur Dreidimensionalität der geschichtlichen Wirklichkeit, zum Begriff der Kultur und zum Verhältnis von Marxismus und Religion.

Der Beitrag bewegt sich im Erbe der Holzschen Denkens. Er versteht sich nicht als dessen Kritik, sondern als dessen Weiterentwicklung.