Andreas Egger

Ernst Blochs Werk ist vielseitig und speist sich aus vielen Quellen, oszilliert zwischen literarischen Formen und „strenger Metaphysik“. Bloch war und ist vor allem bekannt als Interpret des „Prinzips Hoffnung“, gesehen als menschliches Streben nach einer besseren Welt, welche in  der aktuellen als objektiv-reale Möglichkeit angelegt ist. Mit dem Begriff „konkreter Utopie“ unterscheidet er antizipierte  historisch gegebene und realisierbare Handlungsmöglichkeiten von rein abstrakten Denkmöglichkeiten, Wünschen ohne Chancen auf Realisierung. Die Hoffnungsphilosophie aber darf keinesfalls allein als Theorie des „subjektiven Faktors“ gesehen werden, sie basiert auf einer ausgebauten Materialismuskonzeption. Aufgrund der sehr eigentümlichen Charakteristik Bloch‘schen Denkens, welches sowohl messianisch wie auch dialektisch-materialistische Züge aufweist, ist dieser Materialismus ein ebenso eigentümlicher, der doch teilweise deutlich von dem von Karl Marx und Friedrich Engels begründeten abweicht. Der erste Teil des Artikels stellt dieses Denken von Materie vor, welches mit drei Momenten umrissen werden kann: Möglichkeit als wesentlicher Seinsmodus und Teil der Wirklichkeit; dialektisches Prozessdenken gegen starre Mechanik, teleologisches finales Ziel der natur- und gesellschaftsgeschichtlichen Entwicklung bei dennoch offenem Ausgang. Der zweite Teil wird sich dem bekannteren Teil des Bloch’schen Oeuvres, der Hoffnungsphilosophie, widmen.