Andreas Egger

Klaus Holzkamps Buch „Grundlegung der Psychologie“ aus dem Jahr 1983 ist das wohl zentrale Dokument der „Kritischen Psychologie“. Dieser deklarierte Versuch, auf dem Boden der materialistischen Dialektik eine Individualwissenschaft zu begründen, wurde mit durchaus paradigmatischem Anspruch formuliert – ein Anspruch freilich, der sich wissenschaftsgeschichtlich nicht durchsetzte. Dennoch: das Konzept des „historischen Herangehens“ an psychische Erscheinungen, die Entwicklung kategorialer psychologischer Grundbegriffe in Berücksichtigung jeweils einer natur- und gesellschaftsgeschichtlichen Entwicklungsgeschichte, verdient weiterhin Beachtung. Die dabei postulierte „gesellschaftliche Natur des Menschen“ erweist sich keineswegs als Paradoxon, sondern ermöglicht uns auch ein exakteres, tieferes philosophisches Nachdenken über das Verhältnis von Natur und Gesellschaft.