Claudius Vellay

Holz und Lukács haben jeweils die marxistische Philosophie mit systematischem Anspruch zu begründen versucht. Dennoch unterscheiden sich insbesondere ihre ontologischen Grundlegungen wesentlich. Dabei spielt in beiden Ontologie-Entwürfen der Begriff des Gesamtzusammenhangs (Holz) bzw. der Totalität (Lukács) eine zentrale Rolle.

Während Holz meint, die Einheit der Welt auf der Grundlage eines universellen Widerspiegelungsbegriffs als grundlegendem Prinzip logizistisch konstruieren zu müssen, da uns der Gesamtzusammenhang nicht empirisch gegeben sei, vertritt Lukács die Auffassung, dass die Einheit der in anorganisches, organisches und gesellschaftliches Sein geschichteten Welt gerade in ihrer – jeweils spezifischen – Gegebenheit bestünde. Trotz aller Betonung der Dialektik bleibt Holz’ Systemkonstruktion in der klassischen, idealistischen Metaphysik verhaftet; für eine umfassende Weiterentwicklung der marxistischen Philosophie bleibt Lukács‘ Ontologie des gesellschaftlichen Seins der fruchtbarere, dialektisch-materialistische Ansatz.