Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

das Heft 9 der Aufhebung erscheint rechtzeitig zur XXII. Rosa-Luxemburg- Konferenz am 14. Januar 2017, bei der wir dieses Jahr wieder als Unterstützer vertreten sind. Auch in diesem Jahr wird es eine Hans-Heinz-Holz-Tagung geben. Doch das Format wird diesmal ein anderes sein, denn in diesem Jahr wäre Hans Heinz Holz 90 Jahre alt geworden und wir werden seinen Geburts- tag mit einer Konferenz und Feier am 25. Februar 2017 in der Urania Berlin begehen. Weitere Informationen werden dazu zeitnah auf unserer Homepage www.dialektische-philosophie.org bekannt gegeben.

Die Initiative der Gesellschaft für dialektische Philosophie sich in eine internationale Organisation zu verwandeln und die kollektive Arbeit ihres neuen Vorstands zu stärken, sind die gegenwärtigen Aufgaben der Gesellschaft. Es ist ihr mittlerweile gelungen, diese Aufgaben einigermaßen zu stabilisieren. Doch aufgrund der Probleme, die sich durch die Reorganisation und der neuen Aufgabenverteilung der Vorstandsarbeit ergaben, war die Gesellschaft leider nicht imstande, das vorliegende Heft der Aufhebung früher herauszugeben. Wir bitten das zu entschuldigen.

Die Redaktion der Aufhebung weiß zu gut, dass sie ihre Arbeit ohne die Mitwirkung und die Beiträge der LeserInnen nicht verbessern kann. Feedback ist daher unerlässlich. Wir wollen unsere Leserinnen und Leser auch nochmal daran erinnern, dass philosophische Beiträge eingereicht werden können (redaktion@dialektische-philosophie.org). Die Aufhebung ist ein philosophisches Forum, das die gegenwärtigen Fragen dialektischer und materialistischer Philosophie diskutieren und einem größerem Publikum zugänglich machen möchte. Die vorliegende Ausgabe der Aufhebung versteht sich daher als Produkt der Zusammenarbeit der Redaktion und der LeserInnen. Wir danken allen Mitwirkenden, insbesondere dem Setzer, für ihre konstruktive Zusammenarbeit bei der Erstellung dieses Heftes.

Das Heft 9 eröffnet mit dem Aufsatz Erkenntnis als Widerspiegelung von Wolfgang Schmidt. Hierin fokussiert Schmidt auf die engelssche Bestimmung der Dialektik als Wissenschaft des Gesamtzusammenhangs und leitet daraus eine widerspiegelungstheoretische Bestimmung menschlicher Erkenntnisarbeit ab. Erkenntnis als Widerspiegelung meint ein doppelt reflexives Verhältnis: einen objektiv-materiellen Tätigkeitsprozess einerseits und ein aktiv-subjektives Verhalten andererseits. Schmidts Problemgegenstand besteht darin, wie die Relata der doppel-reflexiven Erkenntnistätigkeit zusammenhängen und ineinander transformierbar sind.

Darauf folgt der Aufsatz Über Leser und das Lesen von Don Quijote, den Daniel Hohnerlein aus Anlass des 400. Todestages von Cervantes verfasst hat. Durch die Heranziehung von Don Quijote, sowie dessen Interpretation durch Thomas Mann und die literaturtheoretischen Reflexionen von Heinrich Heine, Peter Hacks, Werner Krauss und Lothar Kühne rekonstruiert Hohnerlein die Schwierigkeiten des Lesens und Interpretierens literarischer Texte. Er zeigt, wie die Literatur und die Reflexion auf sie, Belange gesellschaftlich-politischer Praxis sind.

Johannes Oehme diskutiert in seinem Diskussionsbeitrag die DDR- Philosophie. Ob und wie das Erbe der DDR-Philosophie anzueignen ist, ist für Oehme nicht nur eine rein philosophische, sondern auch eine politische Frage. Es kommt in diesem Problembereich wesentlich auf eine soziale und politische Bestimmung der DDR-Philosophie als Philosophie des Sozialismus an. Wider der Vernichtung der DDR-Philosophie als Bestandteil der Philosophiegeschichte sowie als Gegenstrategie gegen den Angriff auf die Philosophie des Sozialismus schlägt Oehme vor, die DDR-Philosophie als ein positives Erbe der marxistischen Philosophie bzw. Philosophie des Sozialismus anzueignen und als einen notwendigen theoretischen Bestandteil des heutigen antifaschistisch-antiimperialistischen Klassenkampfes zu verstehen.

Das Heft schließt mit Peter Ostertags Rezension des wieder herausgegebenen Buches Die Welt ändern – das Leben ändern von Lucien Sève, in der er die Neuausgabe begrüßt und ihre Dringlichkeit für eine aktuelle marxistische Psychologie betont.

Redaktion, Dezember 2016