Mirbeth: Abstract

Gewalt und Glauben. Der Staat und die unvollständige Aufhebung der Religion.

Hobbes kennzeichnete in seinem Leviathan die Festlegung einer verbindlichen Staatsreligion als Vo­raussetzung der Aufrechterhaltung des inneren Friedens. Dass die bürgerlich-kapitalistischen Staa­ten im Konflikt mit religiös motiviertem Terrorismus nicht zu dieser Einschränkung der Re­li­gions­freiheit greifen und trotzdem ihr Gewaltmonopol aufrechterhalten können verweist auf die un­voll­ständige Aufhebung der Religion durch die Aufklärung: In säkularisierter Form lebt sie entstellt weiter, ihre herrschaftsichernde Wirkung wird vom Staat selbst übernommen: Die Gewalt des Staates ist dem religiösen Wunder als Machtbeweis analog und stif­tet Glauben und Gehorsam. Staatsreligion wird zur Religion des Staates. Dieses mythologische Über­bleibsel bezeugt die andauernde Notwendigkeit der praktischen Verwirklichung der Auf­klä­rung als einer wirklichen Aufhebung.