Das war die Vierte Salzburger Tagung für dialektische Philosophie

Von der „Vierten Salzburger Tagung für Dialektische Philosophie“ am
21.3.2015 an der Universität Salzburg darf ein Rekord vermeldet werden. Acht Beiträge bildeten das bisher umfangreichste Programm, thematisch weit gefächert, aber doch mit einem deutlichen Hegel-Schwerpunkt. 

Das Hauptreferat hielt der Berliner Philosoph und Junge-Welt-Redakteur Andreas Hüllinghorst. Er verglich das Entstehen dialektischen Denkens bei Hegel und Marx. Stand bei Hegel das Zu-sich-Kommen der absoluten Idee im Zentrum, so war es bei Marx der tätige Mensch. Der Weg von Hegel zu Marx sei ein Beispiel sich selbst fortbildender Dialektik. Die Aufhebung im Sinne von Verwirklichung der Philosophie sei ein Akt des revolutionären Proletariats.
Daniel Hohnerlein, Literaturwissenschaftler aus Saarbrücken, stellte mit Peter Hacks‘ Konzept des kinetischen Habitus einen Weg vor, den Begriff des Schönen an den des Fortschritts zu binden.
Dem Salzburger Philosophiestudenten Rafael Rehm gelang das Kunststück, aufbauend auf einer historisch-materialistischen Deutung des Begriffs des Bildraums in 20 Minuten in die Geschichtsphilosophie des späten Walter Benjamin einzuführen.
In seiner Darstellung der politischen Philosophie Georg Lukács‘ ausgehend von „Geschichte und Klassenbewußtsein“ konnte der Wiener Philosophiestudent Max Zirngast dieses Kunststück wiederholen.
Der Wiener Philosoph und Archivar Martin Krenn sprach über die Adaption und Weiterentwicklung der Philosophie Helmut Plessners durch Hans Heinz Holz als Programm einer Regionalontologie menschlichen Seins im Insgesamt der Natur.
Die Frage nach der begrifflich-logischen Begründbarkeit der Mathematik stellte der Dresdner Philosophiestudent Stany Mazurkiewicz und verglich dabei die Antworten Freges und Hegels.
Das Verhältnis von Negation und Totalität in der Philosophie Hegels
stellte der Wiener Philosophiestudent Georgios Kolias im Rahmen der objektiven und Begriffslogik dar und prüfte die Gültigkeit der Kategorien auch für nichtantagonistische gesellschaftliche Verhältnisse.
Die Wiener Philosophin Franziska Kurka riet, sich nicht von einer
angeblichen „systematischen Unverständlichkeit“ der Philosophie Hegels abschrecken zu lassen, und beschrieb die Konstruktion des dialektischen Satzes bei Hegel als „sich verständlich machende Sprache“.

Den Referaten folgten spannende und durchaus kontroverse, auch
„vortragsübergreifende“ Diskussionen.

Rechtzeitig zur Tagung erschien auch die bereits sechste Ausgabe der
Zeitschrift Aufhebung.

Dass diese vierte Tagung zugleich die letzte Veranstaltung der „Salzburger Gesellschaft für dialektische Philosophie“ war, darf nicht beunruhigen. Die Gesellschaft hat spätestens durch die Etablierung einer Grundorganisation in Berlin ihren regionalen Bezug verloren und wird diesen aus ihrem Namen streichen. Es geht weiter – mit der „Gesellschaft für dialektische Philosophie“.