Aufhebung #6 – Vorwort

Bei der vorliegenden sechsten Ausgabe der „Aufhebung“ handelt es sich voraussichtlich um die letzte Publikation der Salzburger Gesellschaft für dialektische Philosophie. Was das bedeuten soll?

Keine Angst, die „Aufhebung“ wird es weiterhin geben. Auch denken wir keineswegs daran, unsere Aktivitäten einzuschränken oder uns gar aufzulösen. Ganz im Gegenteil, wir werden unsere Aktivitäten weiter ausbauen. Wir schaffen zu diesem Zweck regionale Strukturen, die die weitere Ausarbeitung, Vertiefung und Verbreitung dialektischer Philosophie auch außerhalb Salzburgs vorantreiben. Es handelt sich bei diesem Heft nur deshalb um die letzte Publikation der Salzburger Gesellschaft für dialektische Philosophie, weil wir uns umbenennen werden, um diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen.

Heft #6 erscheint rechtzeitig vor der vierten Salzburger Tagung für dialektische Philosophie am 21. März 2015, unsere bisher mit Abstand größte und vielleicht auch spannendste Veranstaltung. Am nächsten Tag wird die Generalversammlung der „Gesellschaft“ stattfinden. Sie wird sich unter anderem mit einer Überarbeitung des Statuts befassen: Der Vereinszweck soll ein wenig klarer formuliert werden, die Grundorganisationen müssen einen formalen Rahmen erhalten und es muss eben der Name entsprechend angepasst werden. Über die Tagung sowie die Ergebnisse der Generalversammlung werden wir anschließend selbstverständlich berichten.

Am 1. März wurde bereits eine Grundorganisation ins Leben gerufen, auch wenn der genaue formale Rahmen der Grundorganisationen erst bei der Generalversammlung statutarisch festgelegt werden muss. Aus Anlass der Hans-Heinz-Holz-Tagung am 28. Februar, deren Mitveranstalterin die „Gesellschaft“ war, trafen sich Vereinsmitglieder und Interessierte aus Berlin sowie Vorstandsmitglieder der „Gesellschaft“, um einerseits konstruktiv über die grundlegende Ausrichtung des Vereins zu diskutieren, aber auch um bereits erste Aktivitäten vor Ort in Angriff zu nehmen. Sobald diese fixiert sind, finden sich alle nötigen Informationen darüber auf unserer Homepage. Bereits jetzt kann dort ein Bericht über dieses Wochenende abgerufen werden: http://www.dialektik-salzburg.at/?p=925. Ein Tagungsband der Hans-Heinz-Holz-Tagung ist in Vorbereitung und wird in den nächsten Monaten als Sonderausgabe der „Aufhebung“ erscheinen.

Wo wir bisher um Spenden sowie aktive Mitarbeit gebeten haben, möchten wir diese Bitten zwar hiermit noch einmal wiederholen, aber auch einfach mal „Danke“ sagen. Schon unsere bisherige Arbeit wäre ohne die kleineren und größeren Spenden nicht in diesem Umfang möglich gewesen. Auch was die aktive Mitarbeit betrifft, kommen immer wieder Leute auf uns zu, die uns den Einsatz ihrer Fähigkeiten anbieten, was wir in der Regel mit Freuden annehmen. So war für dieses Heft erstmals ein neuer Layouter verantwortlich. Da nicht nur der Layouter, sondern auch das Layoutprogramm sowie sogar die Druckerei gewechselt wurden, wird sich das Erscheinungsbild in einigen Punkten ändern, wir hoffen: bessern. Dennoch gibt es noch an vielen Stellen Mängel, wie wir wissen. Für mögliche Fehler, die sich durch die genannten Umstellungen, welche auch neue redaktionelle Abläufe erfordern, vielleicht noch zusätzlich einschleichen, möchten wir uns schon vorab entschuldigen. Die „Aufhebung“ bleibt, wie auch unsere sonstigen Tätigkeiten, „work in progress“. Wir hoffen jedenfalls weiterhin auf viel Zuspruch und Unterstützung.

Zum vorliegenden Heft gehört eine „Sensation“. Thomas Metscher hat uns freundlicherweise gestattet, sein Urteil über das im Folgenden abgedruckte Vorlesungsmanuskript von Dieter Kraft (ursprünglich aus einer privaten Nachricht an Kraft) wiederzugeben:

„Nun aber doch noch ein Wort zu dem Dialektik-Text, den Sie mir freundlicherweise beifügten. Es ist schwer, das richtige Wort zu finden, doch scheue ich mich nicht auszusprechen, was mir bei der ersten Lektüre einfiel (als bescheidener Mensch werden Sie es nicht mögen, aber ich sage es dennoch): dieser Text ist eine Sensation. Er gehört zum Besten, was ich zu diesem Thema kenne und sicherlich zum Besten, was ich seit Jahren von zeitgenössischer Philosophie gelesen habe. Und wenn ich ‚zum Besten‛ sag, so ist es eigentlich nur Hans Heinz Holz, der mir dazu als gleichwertig einfällt (doch Ihre Klarheit, die findet man auch bei ihm nicht oft). Ihr Text ist historisch wie kategorial von größter Wichtigkeit, an vielen Stellen sagt man ‚ja, so ist es‛, weil man einen Gedanken findet, den man in den Konturen schon gedacht hatte und jetzt aber in kristallener Klarheit ausgerprochen findet. Fazit: dieser Text gehört in die Öffentlichkeit, weil er viele Dinge aufklärt, die bislang nur verschwommen erfaßt sind, und die Frage der Dialektik steht in der Mitte all dessen. Denken Sie nur daran, was bei Haug und seiner Schule zur Dialektik steht – was Sie schreiben, bewegt sich auf einer dem weit überlegenen Ebene. Ich z.B. werde sicher, sobald ich mich wieder mit Philosophischem bemühe, auf diesen Essay verweisen wollen – da muß er für den Leser verfügbar sein. Auch für das Shakespearebuch, an dem ich gegenwärtig sitze, ist er von Nutzen. Zum Cusaner z.B. finde ich einen Satz, den ich ganz sicher zitieren möchte; denn Shakespeare wird bei mir u.a. auch unter dem Gesichtspunkt frühneuzeitlichen Denkens gesehen, als Drama, das ein Weltbild entwirft, in dem ‚das Universum keinen Mittelpunkt hat‛.“

Weiters befasst sich in diesem Heft Kaan Kangal mit der Dialektik in Heuristik und Wahrscheinlichkeit. Dabei verortet er ein dialektisches Verhältnis zwischen beiden, aber auch „innerhalb der heuristischen Suchoperation“ sowie „im Wahrscheinlichkeitsverhältnis zwischen allgemeiner Möglichkeitsmenge und einzelner Möglichkeitsoption sowie zwischen einzelnen Möglichkeiten“. Diese dialektische Strukturform sei „mit einer anderen exakt identisch, die aus der Spiegelung des Spiegels hervorkommt, in dem das Bespiegelte als Gespiegeltes gespiegelt wird.“

Andreas Egger setzt seinen in Heft #5 begonnen Aufsatz über Ernst Bloch fort. Neben einer Vervollständigung der zusammenfassenden Darstellung der grundlegenden Philosopheme im Denken Blochs werden auch seine Bedeutung für heutiges Philosophieren sowie ein Ausblick angerissen.

Andreas Hüllinghorst rezensiert das unlängst im Kölner PapyRossa-Verlag erschienene Buch „Marxismus“ von Georg Fülberth. Er hält dieses Buch für ein „Beispiel für die Lebendigkeit der antihegelianischen und damit antirevolutionären Traditionslinie innerhalb des Marxismus“. Im Zuge dessen befasst er sich mit dem Verhältnis zwischen Definition und Begriff, wobei er sich Friedrich Engels anschließt, welcher meinte: „Definitionen sind für die Wissenschaft wertlos, weil stets unzulänglich“.