junge Welt: „Marxismus als Wissenschaftssystem“

Von: http://www.jungewelt.de/2015/11-30/054.php

Die siebte Ausgabe der Aufhebung behält den Gesamtzusammenhang im Blick

Der marxistische Literaturwissenschaftler Thomas Metscher hat für das siebte Heft der Aufhebung einen umfangreichen Beitrag zum Begriff »Wissenschaft des Gesamtzusammenhangs« verfasst. Friedrich Engels hatte diesen in seinem Dialektikkonzept zu Bewusstsein gebracht, Hans Heinz Holz entwickelte seine logische Struktur weiter. Nun ist es Metscher, der der Möglichkeit einer Konkretisierung dieser Kategorie nachgeht. In einem Fünfschritt von der unmittelbaren Alltagserfahrung bis zum Begriff der »Wirklichkeit als des Ganzen alles Seienden« entwirft Metscher eine Vorstellung vom Marxismus als Wissenschaftssystem. Den Gesamtzusammenhang denken heiße ihn erkennen. Außerdem kann man einen Grundlagenbeitrag zur marxistischen Erkenntnistheorie lesen. Wolfgang Schmidt, 1973 einer der ersten Studenten bei Holz in Marburg, analysiert die »andere Seite der Grundfrage«, also die nach dem Erkennensrealismus.

Der Gesamtzusammenhang ist auch das Thema von Stefan Otto. Er wendet die Dialektik vom Ganzen und seinen Teilen auf das Verhältnis von Gehirn, Bewusstsein und Umwelt an und kritisiert so die Arbeit der bekannten Hirnforscher Gerhard Roth und Wolfgang Singer, die eine ausschließliche Bestimmung des Bewusstseins durch Synapsen und Neuronen behaupten.

Um Holz’ Theorie des Gesamtzusammenhangs ging es bereits in einem früheren Heft der Aufhebung in einem Beitrag von Claudius Vellay. Dieser Beitrag stieß auf einige Kritik, der sich nun Kaan Kangal aus Nanjing in seiner Erwiderung auf Vellays Gedanken anschließt. Der Berliner Physiker Michael Nareyek wirft dem Berliner Theologen Dieter Kraft vor, in seinem Beitrag aus Heft sechs nur die eigene Philosophie dargestellt zu haben, nicht aber die Hegels. Eine Diskussion, die wohl noch im nächsten Heft weitergeführt wird. Den Abschluss bildet eine Rezension von Martin Küpper über die umfangreiche und hochaktuelle Arbeit zum Thema »Dialektik als philosophische Theorie der Selbstorganisation« von Henriette Hübner.