DAS WAREN DIE VIDEOVORLESUNGEN MIT HANS HEINZ HOLZ

Mit der Reihe „Was ist spekulatives Denken? 6 Videovorlesungen mit Hans Heinz Holz“ stellte sich der Berliner Basisorganisation der Gesellschaft für dialektische Philosophie erstmals der interessierten Öffentlichkeit vor. An drei Abenden und in Kooperation mit dem Kolleg Friedrich Nietzsche und der Peter-Hacks-Gesellschaft wurden jeweils zwei Vorlesungen gezeigt, die Holz im Rahmen seines Fellowships beim Kolleg Friedrich Nietzsche 2009 gehalten hatte.

Am ersten Abend stellte Holz seine Konzeption einer Systematik spekulativer Sätze vor, welche die Metaphysik „zur Sache des Lebens“ machen soll. Gleichzeitig soll sie den Ansprüchen der Wissenschaften genügen, wie sie Hegel mit seinem spekulativen Satz Das Wahre ist das Ganze formuliert. Hierfür beansprucht Holz die Neubegründung der Philosophie, die sich über das Widerspiegelungstheorem begründen lasse und in einem System spekulativer Sätze, wie sie in der Philosophiegeschichte aufgetreten sind, darstellbar sei. Grundlegend zielt Holz auf den Erweis der Wirklichkeitsstrukturen, die in den spekulativen Sätzen aufscheinen.

In der anschließenden Diskussion erschien den Anwesenden im Habbema die scheinbar ahistorische Vorgehensweise, welche die spekulativen Sätze aus ihren historischen Kontexten weitgehend herauslöst und in eine Logik überführen möchte, fragwürdig. Auch der begriffliche Aufbau des Holzschen Systems könne den Zugriff auf Wirklichkeit erschweren, da weder Irrtum noch Scheitern von Holz aufgegriffen würden.

Am zweiten Abend führte Holz seine Systematik anhand Parmenides’ Dasselbe nämlich sind Denken und Sein und Cusanus’ Das Ganze scheint in allen seinen Teilen wider weiter aus. Die Abgeschlossenheit eines begrifflichen Systems könne nur durchbrochen werden, indem das Denken schon immer außersprachliches Sein enthalte. Das Sein oder Welt könne aber nur systematisch begründet werden, wenn eine materialistische Dialektik das Verhältnis von Einzelnem und Allgemeinem in einer Dialektik der Natur fasse. Natur müsse als wechselwirkender Prozess begriffen werden, weswegen Philosophie nicht hinter die Erkenntnisse der Naturwissenschaften zurückfallen dürfe. Von Welt im Gesamten könne aber nur die Philosophie sprechen. Hierin liege ihre Eigenständigkeit.

Problematisch erschien dem Publikum das Problem, inwiefern und ob Holz die Wissenschaften der Philosophie unterordnen möchte. Seine Dialektik der Natur entwerfe ein passives Bild der Natur, in der der subjektive Faktor Mensch zunächst keine konstitutive Rolle spielen würde.

Dieses Problem aufgreifend, erörterte Holz am letzten Abend die dynamischen Strukturen der Wirklichkeit, in der die Möglichkeit das Übergreifende der Wirklichkeit sei, wie Leibniz es mit seinem Diktum Alles Mögliche drängt zur Verwirklichung und den hieraus ableitbaren Möglichkeiten des Menschen, Wirklichkeit gemäß seinen Vorstellungen zu verändern, formulierte. Es reiche nicht aus, dass die Philosophie nur interpretiere, „Politikberatung“ bleibe, sondern Philosophie instituiere Politik. Marxismus könne seinen revolutionären Anspruch nur verwirklichen, wenn er nicht eine Theorie neben anderen bleibe, sondern seine theoretischen Bestimmungen verwirkliche. Verwirklichung gelinge nur, wenn die Organisationsfrage so beantwortet werde, dass die Theorie die Massen ergreifen müsse.

Den Übergang zur Praxis entwerfe Holz, ohne Kategorien wie Arbeit, gesellschaftliche Produktion und Klassengesellschaft zu berücksichtigen, wurde kritisch eingewandt. Die vorgestellte Dynamik von Natur und Gesellschaft versande daher in einer behäbigen Philosophie. Ob Holz‘ Konzeption die Aufgaben der Philosophie im Kommunismus antizipiere, die in einer Klassengesellschaft nur die Funkton einer Ideologie annehmen könne, blieb als offene Frage bestehen.

Die Vorlesungen werden in absehbarer Zeit vom Kolleg Friedrich Nietzsche auf DVD veröffentlicht.